Leitbild

Dieses Lied von Paul Burkhard hat mich bereits beim ersten Hören tief berührt. Immer wieder kommt es mir in den Sinn, wenn ich Menschen begegne, die in einer Notlage sind:

«Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh.»

Während meiner Zeit als Pfarrer an der St. Clarakirche sah ich täglich Männer, die sich beim Kiosk auf dem Claraplatz ihre gemeinsame «Stube» geschaffen haben.

Oft sind sie ungepflegt, häufig betrunken. Manchmal läuft laute Musik, manchmal wirkt es wie ein «Fest der Elenden». Und doch entstehen inmitten dieses Chaos immer wieder leise, persönliche Begegnungen – mit Menschen, die oft keine Wohnung mehr haben.

Eine weitere Motivation war für mich ein Satz von Schwester Theresia Scherrer, die ein bedeutendes Sozialwerk gründete, aus dem unter anderem das St. Claraspital Basel hervorging:

«Die Not der Zeit ist der Wille Gottes.»

Auch Papst Franziskus hat uns immer wieder daran erinnert, dass Kirche dort sein muss, wo die Menschen am Rand stehen. Als Südamerikaner ging er bewusst dorthin – zu den Armen, zu den Vergessenen – und mahnte uns, es Franz von Assisi gleichzutun.

Auf dem Claraplatz versammelt sich täglich eine Gruppe von etwa zehn Männern, gelegentlich auch eine Frau. Sie trinken Alkohol, konsumieren Drogen, führen wirre Gespräche – nicht selten kommt es zu Streit oder Gewalt. Immer wieder sind Polizei oder Ambulanz im Einsatz.

Die Gesichter verändern sich über die Jahre.

Was bleibt, ist die bittere Realität: Viele dieser Menschen sind auf einer Überholspur – nicht ins Leben, sondern in Richtung eines stillen, oft würdelosen Endes.

Ein Haus für heimatlose Männer

Es sind überwiegend Männer, die kein familiäres Zuhause mehr haben – oder es aus unterschiedlichen Gründen nicht aufbauen können.

Die Ursachen für diese Heimatlosigkeit sind vielfältig: Scheidung, Sucht, Schulden, Verlust der Arbeit, fehlende Alltagsstruktur, Sinnkrisen, Überforderung mit den Anforderungen des Lebens, Einsamkeit und Verlassenheit.

Statistisch ist belegt, dass Männer häufiger ihrem Leben ein Ende setzen als Frauen. Gleichzeitig fällt es ihnen oft schwerer, Hilfe anzunehmen.

Aus dieser Realität heraus entstand die Idee, das ehemalige Pfarrhaus der Pfarrei St. Franziskus in Riehen in einen Ort der Heimat für Männer in besonderen Lebenssituationen zu verwandeln.

Als das Haus frei wurde, gab der Kirchenrat der römisch-katholischen Kirche im Kanton Basel-Stadt grünes Licht für dieses Vorhaben.

In der Folge konnte der Verein Assisihaus gegründet werden, getragen von einem engagierten Vorstand.

Seit 2010 besteht das Assisihaus – benannt nach dem Ort, an dem der heilige Franziskus von Assisi lebte und sich besonders den Ausgegrenzten und Kranken zuwandte, weil er gerade in ihnen die Gegenwart Jesu erkannte.

Caritas: Im Kern des Glaubens – für Menschen in Not

Soziale Arbeit in und mit der Kirche ist gelebte Diakonie – konkrete Hilfe für Menschen in Not.

Der Begriff Caritas bedeutet «Nächstenliebe» und gehört seit den Anfängen zu den zentralen Aufträgen der Kirche.

Werke der Liebe sind kein Zusatz, sondern entspringen dem innersten Kern des christlichen Glaubens. Dieses Verständnis zieht sich durch die gesamte Kirchengeschichte.

Ein prägendes Beispiel dafür ist der heilige Vinzenz von Paul (1581–1660), der als Begründer der organisierten Caritasarbeit gilt. Sein Leben war geprägt vom Einsatz für Arme und Schwache. Auf ihn gehen auch die sogenannten Vinzenzkonferenzen zurück.

In Riehen bestehen zwei solcher Gruppen: eine in der Pfarrei St. Franziskus und eine im Assisihaus.

Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Das Assisihaus wird finanziell und materiell getragen durch die Gemeinde Riehen, die Vinzenzkonferenz Basel, die römisch-katholische Kirche Basel sowie durch freie Spenden.

«Für glanzvolle Arbeiten findet Gott genügend Arbeiter, jedoch für unscheinbares Wirken braucht es noch viele».

Vinzenz von Paul (1581 – 1660)